Hemminger Schulpolitik ist kaum zu verstehen

Ein Beitrag von Wolfgang Stehmer, Fraktionsvorsitzender

Wenn wir einmal über den Hemminger Kirchturm hinausschauen, sehen wir viele Nachbargemeinden, die über die rasant steigenden Umbau- und Modernisierungskosten von Schulen klagen. Warum sollte es beim Um- und Ausbau der 40 Jahre alten Gemeinschaftsschule Schwieberdingen-Hemmingen anders sein? Es ist höchste Zeit, dass mit dem Um- und Ausbau begonnen wird, weil diese die Anforderungen an eine moderne Gemeinschaftsschule nicht mehr annähernd erfüllen kann. Wir dürfen uns aber nicht von erhöhten Kosten davon abhalten lassen, unseren Kindern eine optimale Bildungsstätte anzubieten. Bei der ersten Kostenermittlung (16 Mio. Euro) wurde der Sanierungsumfang verniedlicht und einzelne Anforderungen nicht beachtet. Auch können Räume anderer Schulen nicht mehr mitverwendet werden, wie das früher einmal geplant war. Dies haben weder die Schulleitung, noch die Elternvertreter an der Glemstalschule zu verantworten. Dafür sind das Planungsbüro und der Gemeindeverwaltungsverband verantwortlich. Daher sind die Kosten aus der Machbarkeitsstudie nicht mit den zu erwarteten realen Um- und Ausbaukosten der Glemstalschule zu vergleichen.

Während der Umbauphase wird es zu Beeinträchtigungen im Schulbetrieb, insbesondere in der Raumnutzung kommen. Im Interesse der Schülerinnen und Schüler sollen diese jedoch so gering wie möglich gehalten werden. Dann werden sowohl die Schüler, als auch deren Eltern die Beeinträchtigungen akzeptieren. Die SPD-Gemeinderatsfraktion Hemmingen wendet sich jedoch gegen eine Senkung der Anzahl der Eingangsklassen, wie von der CDU beantragt. Damit würde die Glemstalschule insgesamt geschwächt, um nachträglich sagen zu können, wir brauchen keine Gemeinschaftsschule. Eine Verringerung der Eingangsklassen passt auch nicht zur Hemminger Entwicklung insgesamt, da wir stark steigende Kinderzahlen durch das Wohngebiet Hälde und steigende Geburten haben. Derzeit werden mehr als 100 Kinder jährlich geboren. Das ist erfreulich. Die Kinder benötigen nicht nur zusätzliche Kindergartenplätze, sondern später auch zusätzlichen Schulraum. In dieser Zeit der Expansion die Schulplätze zu verringern ist absurd und nicht nachvollziehbar. Oder will die CDU erreichen, dass Hemminger Kinder an der Glemstal-Gemeinschaftsschule abgewiesen werden? Für die SPD ist das nicht vorstellbar.

Der Mehrbedarf an Eingangsklassen hat nichts mit der Diskussion über die von uns gewünschte Oberstufe an der Gemeinschaftsschule zu tun, auch wenn das gerne so dargestellt wird. Auch die achtseitige Mängelliste an der Glemstalschule, die einige Eltern am 30.12.2018 dem Gemeindeverwaltungsverband übergeben haben, hat damit nichts zu tun. Wir sollten den Eltern dankbar sein, dass sie in ihrer Freizeit vorhandene Mängel an der Schule auflisten und der Verwaltung zur Kenntnis geben. Stattdessen werden sie von der CDU im letzten Mitteilungsblatt beschimpft oder die Mängelliste von den beiden Bürgermeistern in Frage gestellt. In der öffentlichen Stellungnahme des Gemeindeverwaltungsverbandes wird dann aber sehr wohl eingestanden, dass es Mängel gibt, denen nachgegangen wird. Anders ist auch nicht zu erklären, warum seit Anfang des Jahres ständig Handwerker in der Schule sind, die offensichtlich schon sehr lange bestandene Mängel aufarbeiten. Bei dieser Art des Umgangs mit den Eltern darf man sich nicht wundern, dass sie sich nicht erst genommen fühlen. In der Stellungnahme der beiden Bürgermeister vom 31. Januar wird als Ziel vorgegeben, die vorhandene Situation zu deeskalieren, „Um diese Zielsetzung zu erreichen benötigen wir dies aber auf beiden Seiten.“ Daran sollten sich auch die CDU und die Bürgermeister selbst halten. Den Eltern den Zugang zur Schule zu verbieten ist der falsche Weg. Um es mit einem Satz von Friedrich Schiller zu bekräftigen: „Wo die Tat nicht spricht, wird das Wort nicht viel helfen“.

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