Statt Prüfauftrag werden in den Kita-Einrichtungen Fakten geschaffen- ohne Einbeziehung der Betroffenen

Von Elke Kogler, SPD-Fraktionsvorsitzende

In der letzten Gemeinderatsitzung stand die aktuelle Entwicklung in den Hemminger Kitas (Kindertageseinrichtungen) auf der Tagesordnung. Bezugnehmend auf den Fachkräftemangel sollten Öffnungszeiten auf den Prüfstand gestellt werden. Doch nach der Diskussion über die umfangreiche Sitzungsvorlage blieb lediglich der Prüfauftrag zu einer möglichen Schichtzulage für GT- Fachkräfte übrig. Bei den anderen Prüfaufträgen wurden Fakten geschaffen. Übrigens unter Prüfung verstehen wir zumindest eine Anhörung der Betroffenen.

Unter der Maßgabe einer nicht aktuellen Erhebung aus dem Oktober 2022, den Vorgaben des KVJS (Kommunaler Verband Jugend und Soziales) und der jetzigen Belegung wurden Fakten über 70-GT Plätze (Ganztagesplätze) geschaffen. Ohne zu prüfen, wie sich der zukünftige Bedarf entwickelt, oder welche Auswirkungen dies auf die Eltern und Kinder haben werden. Lediglich die Personaleinsparung waren im Fokus der Beratung.

Betroffen über den Wegfall der 30-GT Plätze unter 3 Jahre, 40 GT-Plätze über 3 Jahre sind 4 Einrichtungen: Kifaz Eberdingerstrasse. Kita Hälde, Kita Schloßpark und Kita Seestrasse. Übrigens der Verwaltungsfachbegriff dafür lautet „Umwidmung“. Die Plätze bleiben selbstverständlich erhalten, in diesen werden nur noch die Öffnungszeit bis 14:00 Uhr angeboten.

Die Abschaffung der Regelgruppen mit der Nachmittagsbetreuung und dafür Schaffung einer Gruppe mit der Öffnungszeit 7:00-13:00 Uhr ist ein weiterer Beschluss, der ohne Beteiligung und damit Prüfung der Betroffene beschlossen wurde.

Auf längere Sicht gesehen wurde angekündigt, dass angedacht ist nur noch an zwei Einrichtung GT- Plätze anzubieten. Die Folgen werden sein der innerörtliche Verkehr wird ansteigen, die GT-Plätze werden knapper. Die Eltern müssen sich auf Wartezeiten bei Öffnungszeitenänderungen einstellen. Die Kinder können nicht innerhalb ihrer Einrichtung die Öffnungszeiten wechseln, sondern müssen je nach Öffnungszeitbedarf von Einrichtung zu Einrichtung hüpfen. Von einer frühkindlichen Bildung und Betreuung entfernen wir uns immer mehr. Die in dem Orientierungsplan Baden-Württemberg (Bildungsplan der frühkindlichen Bildung) beschrieben Elternpartnerschaft wird nur noch bedingt gelebt. Die Eltern, die Kunden der Gemeinde wurden bei diesen massiven Veränderungen weder gefragt noch gehört.

Um das pädagogische Fachpersonal zu stärken und in den Einrichtungen zu halten  sollten die Lösungsansätze im Personalbereich unter folgendem Fokus stehen:

Was muss im Kita-Bereich investiert werden, um das bestehende Fachpersonal zu halten und zusätzliche qualifizierte Fachkräfte zu bekommen. Welche Rahmenbedingungen müssen im Kita-Team geschaffen werden, um ein gutes Betriebsklima aufrecht zu erhalten. Das Gesundheitspräventionsangebot u.a-sind dabei nur ein Teil. Vielmehr muss überlegt werden wie eine sinnvolle Urlaubs -und Krankheitsvertretung aussehen könnte, wie Betriebsabläufe gestaltet werden können, die zu einer guten Arbeitsmotivation führen. Ebenso muss sich der Träger auf den Weg begeben seine Leitungen in der herausfordernden Zeit fachlich kompetent zu begleiten und unterstützen.

Was noch offen ist?

Die Verwaltung hat angekündigt bei veränderten Bedarfe zu handeln. Deshalb stellt sich für manche Eltern die Fragen: In welchen Abständen einen Bedarfserhebung gemacht wird, wie flexibel können Betriebsgenehmigungen und damit Öffnungszeiten geändert werden. Wie sieht die konkrete Umsetzung bei der Öffnungszeit 7:00-13:00 Uhr aus- wird ein Mittagessen angeboten.

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